NANOOK OF THE NORTH

NANOOK OF THE NORTH

USA 1922 | 70 Min. | Stummfilm mit live Musik | Regie: Robert J. Flaherty

21.09.2025 | 18 Uhr
Salzhaus

Der Klassiker des Dokumentarfilms und zugleich der erste große Film, der in der Arktis gedreht wurde.

Robert Flaherty, der «Vater des Dokumentarfilms» (Sächsische Zeitung), lässt uns teilhaben an den Freuden und Mühen des rauen Lebens des Jägers Nanuk, der mit seiner Familie in den frühen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts im hohen Norden Kanadas lebt. Flaherty zeigt uns Szenen des Lebens und der Liebe, den Humor und die Zärtlichkeit zwischen der Mutter und den Eskimokindern, poetische Bilder, die ganze Schönheit der großartigen Eiswüste. Dieses Meisterwerk bezaubert noch heute durch seine Klarheit und Einfachheit.

MUSIK

Seit bald 20 Jahren Jahren schreibt Simon Quinn Soundtracks für Stummfilme und vertont sie mit seinem Quartett live vor Publikum. Die besondere Besetzung aus Kontrabass, Gitarre, Piano und Schlagzeug verleiht dem Film eine einzigartige musikalische Untermalung. Seit 2017 ist das Quartett um Simon Quinn, seine Brüder Nolan und Brian sowie den Pianisten Johannes von Ballestrem mit der Vorführung seiner Partituren verstärkt international in den unterschiedlichsten Kinos, Filmfestivals und weiteren Kulturzentren unterwegs.

FILM

«Der Dokumentarfilmer Robert J. Flaherty verbrachte in den 1920er Jahren mehrere Monate im hohen Norden Kanadas, um den Inuit Nanook und seine Familie mit der Kamera zu begleiten. Sein Film zeigt den Alltag der Inuit in einer ebenso grandiosen wie gefährlichen Natur mit extrem kalten Wintern und kurzen Sommern. Flaherty drehte, als es noch keine Regeln für dieses Genre und überhaupt nur ganz wenige Dokumentarfilme gab; sicherlich keinen, der so weit nördlich gedreht wurde. Wir wissen, dass Nanook ausgesucht wurde, weil er der berühmteste aller Jäger in seinem Distrikt war. Und dass weder die Frauen noch die Kinder seine eigenen Kinder waren. Nanook ist nicht ‹cinéma vérité›. Und ist es doch: Der Film ist ein authentischer Dokumentarfilm, der die Entstehung seiner selbst zeigt. Was auf der Leinwand passiert, ist real, egal, was sich dahinter abgespielt hat. […] Nanook ist eines der lebendigsten und unvergesslichsten menschlichen Wesen, die jemals auf Film aufgenommen wurden.»

Roger Ebert, Chicago Sun-Times, 25.9.2005

 

«Sein kreativer Umgang mit der Realität entsprach ganz John Griersons Konzept des Dokumentarfilms, und für Sergei Eisenstein hatte Nanook einen grossen Einfluss auf die sowjetische Filmrevolution, weil der Film sich bahnbrechend auf seinen Inhalt und auf das Nebeneinander der Bilder verliess – um filmisch eine Idee zu verfolgen, ansattt auf lineare Verknüpfungen erzählerischer Ereignisse zu setzen. Flaherty wählte seine Darsteller bewusst aus und entwickelte Szenen, um die Härte des Kampfes von Nanook mit seiner abweisenden Umgebung zu vermitteln. Dabei arbeitete Flaherty nach den Prinzipien der Inuit-Kunst, nach denen der Geist eines Artefakts beim Machen selbst entsteht und nicht ein Ergebnis eines vorgefertigten Plans ist. Folglich bleibt Nanook bemerkenswerte Filmkunst und steht für eine humanistische Anthropologie, die viele Filme wie Die Geschichte vom weinenden Kamel beeinflusst hat.»

David Parkinson, Empire, 2003

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